Man ist skeptisch – und demonstrativ

Die Besorgten fragen schon, ob die Aufhellung der Konjunktur wohl von Dauer sei; ob man sich über gute Nachrichten wirklich freuen dürfe; ob der Jubel einer Bevölkerung, die das wiedererlangt, was sie zutiefst als Freiheit empfindet, nicht bloss der Auftakt zu neuen Greueln sei; ob nicht stets das Schlimmste noch komme und dies grundsätzlich die einzige Gewissheit sei.

Die Klugheit verlangt, auf Distanz zu gehen, nicht mit geschlossenen Augen ins Meer der Illusionen abzutauchen, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Doch umgekehrt ist es bestimmt auch vernünftig, sich nicht von der Angst vor der Zukunft, vom lähmenden Drang nach absoluten Garantien einschüchtern zu lassen.

Beschränken wir uns auf unser bescheidenes Feld zwischen Uhrmacherei und Journalismus, so ist es durchaus amüsant, in diesem Mikrokosmos alle Schwächen der Welt samt ihren übertriebenen Reaktionen, den haltlosen Überschwang ebenso wie die eingefleischten Ängste, festzustellen. Wer im Januar durch die Genfer Salons streifte, erlebte zwischen den triumphierenden Tönen der einen und dem trübsinnigen Raunen der andern die Freuden eines höchst vielstimmigen Konzerts.

Was soll man damit anfangen? Ganz konkret ging die erste Runde 2011, zu der sich, offiziellen Beteuerungen zum Trotz, alles in allem weniger Besucher als sonst einfanden, an eine eindrückliche Demonstration.

An «ihrem» 21. Salon International de la Haute Horlogerie hat Cartier allen die Mäuler gestopft, die an ihrem Status als Uhrenmarke im strengsten technischen und mechanischen Sinne des Wortes zweifelten. Die grossen Investitionen der vergangenen zehn Jahre in Forschung und Entwicklung, innovative Konzepte und den Maschinenpark in La Chaux-de-Fonds haben Früchte getragen: eine reiche Ernte von Modellen, die auf neuen hauseigenen Werken basieren. Die stets unbestrittenen Trümpfe der gediegenen Ausstattung gingen darob nicht vergessen, und noch dazu glänzte die Firma mit einer Ausstellung von 270 Stücken, die alle Facetten historischer Tisch-, Taschen- und Arm­banduhren präsentierte und überdies ein Ensemble von rund sechzehn «mystérieuse» Pendulen, das man noch nie gesehen hatte. Alles wirkte unnahbar grandios: «Nur für den Fall, dass jemand vergessen haben sollte, wer wir sind…»

Von den ehemaligen Zulieferern und heutigen Konkurrenten bis zu den talentierten und ehrgeizigen Neuankömmlingen nickten alle respektvoll. Mindestens die, die an dieser eindrücklichen Demonstration mit dabei sein konnten, denn im Gegensatz zu Basel war der grosse Auftritt nicht öffentlich. Und mit einer «One Brand Show» dort darf Cartier doch noch nicht rechnen.