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Krise, Ikonen und ein Spannteppich

Krise, Ikonen und ein Spannteppich

Von: Jean-Philippe Arm

Wovon redet man derzeit in der Uhrenbranche ? Von allem und nichts, wie überall, aber ein Thema taucht ominös oft in den Gesprächen auf : die Krise. Wie läuft das Geschäft ? Das Lachen des Gegenübers verschwindet : Für uns ganz ordentlich, aber es ist nicht einfach, das muss man sagen. Und bei näherem Hinsehen wird es echt kompliziert, und es folgen dieselben Erklärungsversuche, die man schon hundert Mal gehört und vielleicht selber zum Besten gegeben hat.

Nichts Neues also unter der Sonne, nur der Eindruck des auch schon Gehörten, auch schon Beobachteten, auch schon Gelesenen – und Geschriebenen ? Man gehe in sich – aber ja : Ein unlängst in diesem Magazin erschienener Leitartikel könnte fast wortwörtlich in diesem Heft wieder erscheinen : Wir gaben die einhellige Meinung wieder, dass 2016 ein hochriskantes Jahr werde. Da müsste man nur 2017 schreiben und weiter nichts ändern. Das ist amüsant und deprimierend zugleich. Und sonst ?

Noch ein anderes Wort taucht täglich auf, und zwar in den Pressedossiers, –mitteilungen und anderen epischen Ausführungen der Werbeleute, die eine neue Variante eines klassischen oder traditionsreichen Modells anpreisen , Kein Witz, es ist heute zwangsläufig « ikonisch ». Als ob ein paar Jährchen auf dem Buckel für einen Heiligenschein genügen würden. Als hätten die Uhrmacher im 20. Jahrhundert nichts als Ikonen hergestellt. Dabei gibt es eig entlich nur eine Handvoll, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben, ungeteiltes Lob fanden, überall einschlugen und im kollektiven Gedächtnis haften blieben, sodass sie diese ehrenvolle Bezeichnung verdienen. Vielleicht ein Dutzend ? Seien wir nicht so streng, und sagen wir zwanzig. Der Rest könnte ruhig darauf verzichten, sich Verdienste zuzuschreiben, die er nicht hat. Es gäbe sicher genug andere Argumente, die man für sich in Anspruch nehmen könnte. Schliesslich ist die Kreativität der heutigen Uhrmacherei unbestreitbar. Da braucht es keine oft lächerliche Anmassung. Sie ist ja auch kontraproduktiv, denn es könnte gut sein, dass der umworbene Kunde den Hype gereizt in einem « Icon » anderer Art am Bildschirmrand versenkt : im Papierkorb.

Zum Glück gibt es beim Mailen auch ab und zu etwas zu lachen. Es ist ja leider so, dass eine Sekunde Unachtsamkeit genügt, und schon werden die privaten oder beruflichen Nachrichten ins Blaue hinaus versandt. Daran sind schon Beziehungen zerbrochen, und Staatsgeheimnisse wurden publik, aber nicht immer sind die Folgen so schlimm. Ich zum Beispiel habe die Detailskizzen eines Firmenstands bekommen, der demnächst an einem Uhrensalon zu sehen sein wird. An den Rand hatte man echte Fragen gekritzelt, und ich antwortete höflich : « Für mich geht die Farbe des Spannteppichs in Ordnung. »

Übrigens muss man auch beim Gedanken an 2017 den Humor nicht zwingend verlieren.